Gemeinde Mietingen

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Geschichte von Baltringen

Das Dorf Baltringen liegt 524 m ü.d.M. und wurde vermutlich im 3. Jahrhundert nach Chr. von den Alemannen gegründet und besiedelt.

Baltringen liegt an der von jeher wichtigen Straße, die Ulm mit dem Bodensee verbindet. Wahrscheinlich im frühen 8. Jahrhundert ist sie zum Teil neu angelegt und mit Siedlungen gesichert worden. Von Meersburg - bis dahin wurde von Konstanz her der Bodensee mit dem Schiff überquert - ist sie über Ravensburg bis Birkendorf nachgewiesen und zieht dann ohne Zweifel über Baltringen in Richtung Laupheim. Am südlichen Ortseingang dürfte die Straße die Dürnach über die dortige Sandsteinbrücke überquert haben.  

In einer ersten urkundlichen Erwähnung wird dagegen erst im Jahre 1274 von den Brüdern Ulrich und Berthold von Baltringen gesprochen. Ob es sich dabei um Landadel handelte, ist nicht feststellbar. Nachgewiesen ist eine Gerichtsstätte in Baltringen, das Hochgericht. Auf alten Karten südlich von Baltringen an der Straße nach Äpfingen (Galgenberg) eingezeichnet.

12 Artikel
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Im Jahre 1370 wird in Baltringen eine Filialkirche der Pfarrei Laupheim erwähnt. Im 14. Jahrhundert hatten die Herren von Freyberg zu Achstetten die Grundherrschaft und Niedergerichtsbarkeit inne. Einen häufigen Besitzwechsel erlebte Baltringen im 15. Jahrhundert, wobei Biberacher und Ulmer Bürger als Käufer auftraten. Zuletzt zählte dazu Franz Schleicher von Ulm, dem 1470 Kaiser Friedrich III das Privileg erteilte, in Baltringen ein Gericht mit 1 Amman und 12 Richtern einzurichten, welche über alles, "ausgenommen über das Blut" richten sollten. Nach und nach kaufte sich das Biberacher Spital in Baltringen ein, 1473 war schließlich fast ganz Baltringen im Besitz des Spitals.  

An Heiligabend des Jahres 1524 trafen sich in Baltringen in einem Wirtshaus die Bauern und beratschlagten, wie sie ihre Klagen gegen die Obrigkeit vorbringen könnten. Immer mehr Bauern kamen nach Baltringen und schlossen sich dort zum Baltringer Haufen zusammen. Aus den Baltringer Beschwerden und den etwa 300 Beschwerdeschriften der anderen Bauern entstanden in Memmingen durch den Führer des Baltringer Haufens, Ulrich Schmid und den Schreiber des Baltringer Haufens, Sebastian Lotzer die "Zwölf Artikel" als gemeinsame Beschwerdeschrift aller Bauern. Die drei Bauernhaufen, der Allgäuer Haufen, der Seehaufen und der Baltringer Haufen vereinigten sich zur "Christlichen Vereinigung" und gaben sich eine gemeinsame Ordnung, die "Bundesordnung". Auch eine "Landesordnung" regelte die innere Organisation der Bauernhaufen.

Die Verhandlungen der Bauern wurden vom Schwäbischen Bund solange hinausgezögert, bis sich deren Heer unter Führung von Truchsess Georg von Waldburg, dem "Bauernjörg" formiert hatte. Danach kam eine friedliche Einigung mit der Obrigkeit nicht mehr zustande. Die Bauern wurden nach den hinhaltenden Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund schließlich besiegt und zur Kapitulation gezwungen.

Ulrich Schmid entkam dem Tod durch die Flucht in die Schweiz. Erst im letzten Jahrhundert wurden die Bauern in Baltringen von allen Abgaben und Leistungen an ihre Herren befreit.

Im Jahre 1636 wütete in Baltringen die Pest, die Ortschaft war beinahe ganz ausgestorben.

1803 kam der Hauptteil des Ortes an Baden und der früher dem Kloster Heggbach gehörige Großzehnt an den Grafen von Plettenberg, 1806 wurde Baltringen württembergisch.

Neben der geschichtlichen Bedeutung des Ortes sind auch noch die "Baltringer Schichten" als Ablagerungen der Oberen Meeresmolasse in der Geologie erwähnenswert. Vor etwa 25 Millionen Jahren erstreckte sich eine etwa 100 km breite Meeresstraße vom Rhonebecken bis zum Wiener Becken. Eine regionale, vorübergehende Hebung ließ bei Baltringen eine grobe Standbildung entstehen, den Baltringer Muschelsandstein. Dieser harte Sandstein war lange Jahre hinweg ein bedeutender Baustein im Oberland.

In diesen Gesteinsschichten im Baltringer Steinbruch fand der heimische Geologe Pfarrer Dr. Probst (1823 - 1905) ca. 60.000 Haifischzähne von verschiedenen Haifischarten und sammelte diese. Die Sammlung Probst kann im Biberacher Braith - Mali Museum besichtigt werden.

Bis 1938 gehörte Baltringen zum Oberamt Wiblingen/Laupheim, seither zum Landkreis Biberach.

Weitere Informationen

Baltringer Haufen

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