Gemeinde Mietingen

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Neues aus dem Rathaus

Sitzungsbericht vom 17. Juli 2017

Vorstellung der Hochwasserschutzmaßnahmen an der Dürnach
Aus terminlichen Gründen war die Vorstellung der Flussgebietsuntersuchung Dürnach als Gemeinderatssitzung anberaumt, die gleichzeitig die Funktion einer Bürgerversammlung hatte. Ca. 130 Interessierte nahmen das Angebot zur ausführlichen Information wahr. Die Vorstellung der Zwischenergebnisse erfolgt nun nacheinander in den 4 Kommunen der Anliegergemeinschaft, also Biberach, Ochsenhausen, Maselheim und Mietingen.
Herr Ing. Schmid, RSI, stellte die Grundlagen des Hochwasserschutzes vor, die Erhebung der Datengrundlage, die Erstellung eines Flussgebietsmodells, die Ergebnisse der Berechnungen der Gewässer, die Erklärungen der Regenmengen und der Wasserstände, sowie die Art und Weise, wie das Computermodell mit den Ereignissen 2016 abgeglichen wurde.
Im Modell sind nun z.B. berücksichtigt:
- Luftbilder
- Topographische Karten
- Befliegungsdaten
- Gewässerprofile (Datengrundlage Land BW)
- die Landnutzung (Wald, Acker, bebaute Flächen)
- das Gelände selbst mit Gefälle usw.
- die Regendaten 2016 und Standardwerte
- Translation (zeitliche Verschiebung des Wasserflusses im Bachlauf)
- die Wellenverformung (Rückhaltung in der Fläche)
Das Einzugsgebiet von 93,88 km² von Mittelbuch bis Baltringen wurde in kleine Teileinzugsgebiete unterteilt.
Herr Schmid ging besonders auf die Niederschlagsdaten der beiden Starkregen 2016 ein. Am 29.05.2016 verzeichnete der Deutsche Wetterdienst den Schwerpunkt der Starkniederschläge im Gebiet Baltringen und Laupheim. Hier wird der Regen (nicht unbedingt das Hochwasser) als 1.000jährliches Ereignis eingestuft, weiter südlich in Abstufungen geringer. Am 25.06.2016 gingen die größten Regenmengen östlich von Biberach nieder. Auch hier wird von einem 1.000jährlichen Ereignis ausgegangen, bachauf- und abwärts war die Regenmenge geringer. Die in den Ortslagen aufgenommenen Wasserstände vom 29.05.2016 ließen sich aber allein mit den Niederschlagsmengen nicht erklären. Die Brücken waren vielerorts „verklaust“, also zeitweise mit Baumstämmen, Siloballen oder sogar einem Auto verstopft. Die Aufstauungen führten besonders oberhalb Baltringen oft zu höheren Wasserständen. Diese Wasserspiegellagen dienen aber eher zur Überprüfung der rechnerisch ermittelten Werte.
Das Computermodell wurde außerdem am Pegel bei Laupheim geeicht. Der Pegel misst aber nur bis zum 10jährlichen Hochwasser genau – bei höheren Wasserständen fließt das Wasser aus der Dürnach über landwirtschaftliche Flächen um den Pegel herum. Er ermöglichte trotzdem die Kalibrierung des errechneten Modells. Wichtigste Erkenntnis dabei war, dass die Hochwassergefahrenkarten die natürlichen Rückhalteräume nördlich von Baltringen nicht einberechnet hat: Vor es zur Messung am Pegel in Laupheim kommt, wird sehr viel Hochwasser im Taubried, dem Osterried und dem Ried zurückgehalten (ges. ca. 660.000 m³). Rechnet man dieses Wasser wieder dazu, stimmt das Computermodell mit den Pegeldaten überein.
Im Ergebnis geht die aktuelle Studie davon aus, dass das 100jährliche Hochwasser der Hochwassergefahrenkarte (23m³/sec., Kubikmeter pro Sekunde) zu gering ist. Es wurde vorläufig neu auf 31m³/sec. berechnet. Das Maihochwasser lag bei 30,3m³/sec. Erstaunlich war, das beim Junihochwasser etwas mehr Abfluss zu verzeichnen war (33m³/sec.), obwohl die Hochwasserstände niedriger ausfielen. Die Erklärung liegt laut Ingenieurbüro im freieren Bachlauf, es wurde kaum mehr Material mitgeschwemmt.
Ein Ergebnis der Studie ist auch, wie viel Wasser jeweils in die Dürnach „passt“: In Maselheim sind es 13m³/sec., in Sulmingen 20m³/sec. und in Baltringen 14m³/sec. Grund hierfür ist das jeweilige Gefälle.
Nach dieser gesamten Bestandsaufnahme wurde der Entwurf eines Hochwasserschutzkonzepts erarbeitet. Grundsätzlich kommen hier immer entweder ein Gewässerausbau (Wasser wird schneller abgeführt) oder Hochwasserrückhaltebecken in Frage.
Technisch möglich und vom Volumen her benötigt werden für Dürnach und Saubach insgesamt bis zu 10 Rückhaltemaßnahmen. Für Baltringen relevant wären hier zwei Becken oberhalb Maselheim sowie ein kleineres Becken oberhalb Baltringen. Hier haben die Ingenieure schon einige Details entwickelt, die aber noch mit den Behörden abgestimmt werden müssen.
Weiteres Vorgehen:
- weitere Gegenprüfung des Modells durch LRA/RP
- Klären der Fragen, wer baut die Becken, wer unterhält sie, sind Zuschüsse zu bekommen, wie werden die Kosten aufgeteilt?
- Größe und Standorte der Becken sind festzulegen
- Naturschutzrechtliche Untersuchungen
- Grunderwerb für die Becken (Dammflächen)
In nächster Zeit sind die Fragen der Bezuschussung und der Organisationsform für den Bau und Betrieb wichtig. Die Zuschüsse richten sich nach der Pro-Kopf-Belastung. Sie sind also höher, wenn hohe Kosten auf wenige Einwohner zu rechnen sind. Der bestehende Wasserverband Rottumtal ist nicht automatisch Bauherr der Becken, auch dies ist im Moment noch offen.
 
Gemeinderat und Bürgerfragen
Im weiteren Verlauf stellten die Gemeinderäte und mehrere Bürgerinnen und Bürger Fragen.
U.a. wurde gefragt, ob die geplanten Becken ein Hochwasser wie letztes Jahr zurückhalten würden. Herr Schmid geht hiervon aus, da die Wassermengen dem neuberechneten HQ100Klima entsprachen.
Außerdem wurde angesprochen, was passiert wäre, wenn der Regenschwerpunkt bachaufwärts gewesen wäre. Hierauf wurde geantwortet, dass die Maßnahmen zunächst auf ein 100jährliches Ereignis plus Klimazuschlag gerechnet werden. Soll höher gebaut werden, würde dies nicht bezuschusst. BM Hochdorfer wies darauf hin, dass das 1964 gebaute Becken in Gopperts-hofen sehr gut funktioniert und Mietingen schützt.
Ein Bürger plädierte für die Freihaltung des Gewässerrandstreifens. Die Lagerung von Holz, Gras oder anderen Gegenständen am Bach entlang darf auch aus Sicht der Gemeinde nicht geduldet werden. Die weiteren Themen drehten sich u.a. darum, ob die Politik die Bezuschussung und das Verfahren ausreichend unterstützt. Es wurde erklärt, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden in der Flussgebietsuntersuchung gut funktioniert.
Die Frage nach dem Zeitplan konnte noch nicht beantwortet werden, es sind noch einige schwierige Fragen offen. Das Konzept soll von allen Anliegergemeinden als Gemeinschaftsprojekt umgesetzt werden. Außerdem wird auf Entgegenkommen bei den Grundstückskäufen gehofft.

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